Zu Besuch bei der Imkerei Bunsen

Wohnhaus und Imkerei von Jan-Dirk Bunsen

An der Zufahrt zum Haus der Familie Bunsen summt und brummt es: zahllose Bienen fliegen um einen großen Kessel. „Da drin schmelzen wir unser Wachs“, erklärt Jan-Dirk Bunsen. „Das lockt die Bienen natürlich an.“ Trotz dem der Deckel geschlossen ist, duftet es nach dem herr­lichen Bienenwachs. Das Team von NOVUM bewegt sich vorsichtig zwischen den umher fliegenden Tieren. Die Bienen sind nicht aggressiv, aber hektische Bewegungen wären unangebracht.

Am Ortsrand der kleinen Gemeinde Horterhof, unweit vom Donnersberg im schönen Westpfälzer Bergland, liegt das Wohnhaus der Familie, zugleich Firmensitz der Bioland-Wanderimkerei Bunsen und des familien­eigenen Abfüll­betriebes Melifactum. Viel Holz zeigt das nach baubio­logischen Gesichts­punkten errichtete Gebäude, das in den Arbeits­räumen zugleich alle Ansprüche an moderne Technik und Lebens­mittel­hygiene erfüllt. Die Imkerei ist mit nur vier Mitarbeitern kein Groß­unter­nehmen, sehr vieles ist noch immer Handarbeit, aber die Abläufe sind perfekt organisiert.

Die Bioland-Wander­imkerei Bunsen – Apicultura palatina – befindet sich in der kleinen Ortschaft Horterhof, unweit vom Donners­berg im schönen West­pfälzer Bergland. Bereits seit 1994 ist die Imkerei Mitglied im Bioland-Verband.

 
Portrait von Jan-Dirk Bunsen
Seit 1984 beschäftigt sich Dr. Jan-Dirk Bunsen – studierter Argrarwissenschaftler – mit der Imkerei.
 

Golden rinnt der süße Saft in das Faß,
es duftet nach Honig und Wachs

Beim Gang durch die Betriebsräume lernen wir Mark Szabo kennen, der grade Honig schleudert. „Wir arbei­ten mit Natur­waben“, erklärt Bunsen, „ohne Mittel­wand-Vorgabe.“ Er hebt einen der hölzernen Rahmen, die nebeneinander in den Bienenkästen hängen und deutet auf die Waben­konstruktion, die sich zwischen den Hölzern spannt. Im geschlossenen Wachskreislauf, wie ihn die Bioland-Imkerei betreibt, werden keine vorgefertigten Mittelwände zugekauft, wie sie gewöhn­lich in die Rähm­chen des Bienenstocks einfügt werden und an denen die Bienen ihren eigenen Waben­bau dann „andocken“. Imker Bunsens Bienen bauen alles selbst.

Er hebt einen der Rahmen: „Reifen Honig erkennt man an den gut verdeckelten Waben“. Wirklich, die perfekt sechseckigen, honiggefüllten Kammern sind allesamt mit einer Wachsschicht verschlossen. „Entdeckeln“ nennt man das Entfernen dieser Schicht, bevor man die honigtriefenden Rähmchen in die Schleuder schiebt.

„Wachs ist ein körpereigenes Sekret, das vor allem Jungbienen produ­zieren“, lernen wir und dürfen selbst mit den Fingern in eine solche Wabe hineinfahren und frischen Wabenhonig kosten. „In einem Rähmchen wird etwa 50 Gramm Wachs verbaut und in den Waben können die Bienen dann mehr als zwei Kilo Honig unterbringen.“ Eine verblüffend stabile Bauweise aus einem so zarten Material.

Aus dem Abfüllbehälter aus Edelstahl fließt es zäh und dunkel in die Gläser. „Wald- und Tannenhonig“ hat Bunsen geerntet. „Mit einem Wassergehalt von nur 15 % ist das Abfüllen nicht leicht“, meint er und dreht von Hand die gefüllten Gläser zu. Im Honiglager warten in Fässern verschiedene andere Honig­sorten aufs Abfüllen. „Alles muss gut zu reinigen sein“, betont der Imker und deutet: „Der Blütenhonig hier soll im Rührwerk abkühlen, bis er die richtige Konsistenz zum Abfüllen erreicht hat.“

Der richtige Zeitpunkt ist überhaupt sehr wichtig, denn auch der geschleu­derte Honig muss noch reifen: „Erntefrischer Honig schmeckt anders, als solcher, der gerührt und dann erst abgefüllt wurde“, und: „Schnelle Abfüllung, damit man schnell Honig hat, lehne ich ab“, sagt Bunsen kategorisch, „das ist kein Beaujolais Primeur“, und grinst ein bisschen.

Von Hand werden die Honiggläser noch mit den Etiketten versehen, bevor sie in Pakete verpackt und versandt werden. Fast wäre noch eine „neue“ Honig­sorte hinzugekommen: „Lindenhonig mit Sonnen­blume – das haben die Bienen so gesammelt, wir waren überrascht!“ Da sich der Geschmack des Sonnen­blumennektars aber nicht bemerkbar macht, bleibt es bei der bestehenden Sorte.

Ein Mitarbeiter der Imkerei Bunsen beim Honig schleudern.
Bienenwaben

Landwirtschaft und Imkerei
gehören zusammen

Dr. Jan-Dirk Bunsen begann sich schon als Student der Landwirtschaft an der Uni Gießen für Bienen zu interessieren. Bei einem Glas Saft auf dem Balkon, mit Blick über den Ort und die Landschaft, erzählt er: „Mein erstes Bienenvolk bekam ich vor 29 Jahren während meiner landwirt­schaftlichen Aus­bildung.“ Von der Bienenhaltung war er dann sofort fasziniert und auch seine Diplomarbeit verfasste er über Bienen. „Imkerei kann man nicht studieren“, sagt er. „Es ist ein Lehr­beruf. Aber auch für Freizeitimker gibt es alle drei Jahre in Celle die Möglichkeit eine Prüfung abzulegen.“

Bioland-Imker zu werden war Jan-Dirk Bunsen eine Herzens­sache. Bienen sind ein wesentlicher Faktor bei der Bestäubung der Kulturpflanzen, Land­wirt­schaft und Imkerei gehören einfach zusammen. Auch wenn der Imker im Einzelnen nicht kontrollieren kann, welche Blüten seine Bienen anfliegen, wird er durch ein sorgfältiges Standortmanagement gesunden, rückstands­freien Honig ernten können. Wie beim Bio-Landbau dürfen auch in der ökologischen Imkerei keine „chemischen Keulen“ eingesetzt werden.

Selbst die Varroa-Milbe wird mit natürlichen organi­schen Säuren erfolgreich bekämpft. Die Bienen­stöcke, „Beuten“, genannt müssen aus Holz sein; Bunsen lässt sie aus Pfälzer Weymouths­kiefern in einer regionalen Werkstatt fertigen.

Er geht aber den ökologischen Weg noch weiter und züchtet auch seine Bienenköniginnen selbst: „Aus genetisch guten Völkern werden Larven entnommen und einem Teilvolk ohne Königin angeboten.“ Weil jedes Volk eine Königin braucht, füttern die Arbeiter­innen die Larve der zukünftigen Stock­mutter mit einem speziellen Futtersaft, dem Gelée Royale. Nur dadurch wächst aus einer gewöhnlichen Arbeitsbienen­larve eine geschlechtsreife Königin. „Für die genetische Vielfalt ist es wichtig, dass die Bienen­königin im freien Flug begattet wird“, erwähnt der Imker. „Die Drohnen kommen aus einer Entfernung von bis zu 10 km!“ Die von der Königin erzeugten Pheromone sind es, die die männlichen Bienen anlocken: „Bienen haben einen besseren Geruchssinn als Hunde.“

Flugbetrieb am Bienenkasten
Jan-Dirk Bunsen bei der Arbeit
Rauch beruhigt die Bienen
Bienenvolk mit Bienenkönigin

„Akazienhonig ernten wir im Saarland,
Edelkastanienhonig im Pfälzer Wald.“

Als das NOVUM-Team die Imkerei besucht, arbeiten die beiden an­gehen­den Imkergehilfen grade bei den Bienenstöcken, die am Waldrand oberhalb von Otterberg stehen und laden die gefüllten Honig­räume auf den Transporter. Am Vortag wurden die Honig­räume durch einschieben von sogenannten Bienenfluchten („Einbahnstraßen“) von den Bruträu­men mit der Königin getrennt. Die im Honigraum befindlichen Bienen laufen dann über Nacht durch die Bienenflucht zu ihrer geliebten Königin in den Brut­raum. Am Folgetag können dann die Honigräume bienenfrei und ohne besondere Störung abgenommen und zur Honigschleuder abtransportiert werden.

 

Zwei angehende Imkergehilfen machen zur Zeit bei Bunsen eine Imkerlehre. Markus Nürenberg ist Mitte dreißig und im vierten Lehrjahr. Er hat für die Zeit nach seiner Ausbildung ganz konkrete
Pläne, denn er wird sich schon im kommenden Jahr mit einem eigenen Bioland-Imkerbetrieb selbstständig machen. Sein Mitstreiter Martin Kleine ist im zweiten Lehrjahr. Die beiden lieben die Arbeit mit den Bienen. „Am Schönsten ist es, im Frühjahr das Wachstums­potential eines Volkes zu sehen“, sagt Nürenberg. Kleine nickt.

 

„Diese Bienenkästen standen vorher im Murgtal“, erzählen die angehen­den Imkermeister und Bunsen beschreibt, wie so ein Umzug mit den Bienen vonstatten geht: „In der Abenddämmerung werden die Flug­löcher verschlossen, die Stöcke in der Nacht aufgeladen und an den neuen Standort gefahren.“ In der nächtlichen Kühle merken es die Bienen kaum, dass sie transportiert werden. „Nur wenn es zu warm wird, werden sie ungeduldig“, wissen die Imker.

Als Wanderimkerei legen Bunsen und seine Mitarbeiter so manchen Kilometer zurück. „Akazienhonig ernten wir im Saarland, Edel­kastanienhonig im Pfälzer Wald“, zählt Bunsen auf. „Tannenhonig sammeln unsere Völker im Schwarzwald, aber den gibt es nicht jedes Jahr.“

Nun werden seine Bienenvölker bald zum Überwintern in die Rhein­ebene wandern, denn die Sammelzeit geht dem Ende entgegen und damit auch die arbeitsreichste Zeit des Jahres. „Bei mehr als zwei Transporten pro Woche wird es ganz schön anstrengend.“ Nach dem Umsetzten der Stöcke in der Nacht muss die normale Tagesarbeit schließlich auch noch getan werden.

„In den Wintermonaten arbeite ich aber oft alleine, die Lehrlinge haben dann Unterricht und die anderen Mitarbeiter feiern Überstunden ab.“ Und auch der Imker kann endlich wieder mal ausschlafen. Vor der Ruhezeit kommt aber noch die Behandlung der Völker gegen die Varroa-Milbe. „Imkerei erfordert viel Wissen und Sorgfalt“, betont Bunsen. Trotzdem würde er seinen Beruf mit niemandem tauschen wollen.

„Ich erlebe die Jahreszeiten ganz intensiv“, sagt er und man glaubt ihm sein inniges Verhältnis zur Natur: „Der Honig, den ein Bienenvolk in den Stock einbringt, ist immer auch ein Abbild der Landschaft.“

Imker im Gespräch
 
Nahaufnahme einer Biene